In der Abteilung
Sprachtherapie
werden Patienten behandelt, die infolge einer Erkrankung oder Schädigung des ZNS
neurologisch bedingte Störungen der Sprache (Aphasien), Störungen des Sprechens (Dysarthrophonien und Sprechapraxien), der Stimme (Dysphonien) und Störungen der Kau- und Schluckfähigkeit (Dysphagien) sowie
Störungen der Struktur- und Bewegungs-
fähigkeit des orofacialen Systems
(N. facialis-Paresen) aufweisen.
In Zusammenarbeit mit der Neuropsychologie werden auch Zahlen-
verarbeitungs- und Rechenstörungen diagnostiziert und behandelt.
Die betroffenen Patienten sind aufgrund dieser Störungen in ihrer Kommunikationsfähigkeit, in der Fähigkeit, sich oral zu ernähren oder in der Fähigkeit, mimische Bewegungen auszuführen, be-
einträchtigt.
Störungen der Kommunikationsfähig-
keit können erhebliche Auswirkungen auf die familiäre, soziale und berufliche Situation des Patienten haben.
Zur Behandlung der Patienten stehen je nach Indikation Einzel-
therapie- und Gruppentherapiesettings zur Verfügung.
Die Art der Verordnung und der Therapiefrequenz erfolgt stets einzelfallorientiert in Abhängigkeit von Art und Schweregrad der Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörung und unter Berücksichtigung der Gesamtkonstitution und des Rehabilitationsziels des Patienten.
Grundsätzlich werden drei Prinzipien der logopädischen Therapie unterschieden. "Restitution" ist die komplette oder teilweise Wiederherstellung einer Leistung (z.B. die Verbesserung einer Sprachstörung durch eine störungsspezifische Therapie).
Unter "Kompensation" versteht man den Einsatz von Ersatz-
strategien bzw. das Ausnutzen erhalten gebliebener Restfunktionen (z.B. Umschreibungen von Gegenständen/Funktionen, mit denen der Patient seine Wortfindungsschwierigkeiten umgehen kann, Einsatz von Mimik/Gestik).
Im Rahmen der "Adaptation" kommen externe Hilfen zum Einsatz (z.B. Kommunikationsbücher).
Die Miteinbeziehung der Bezugspersonen des Patienten ist unbedingt erforderlich, um diese ausführlich über das Wesen der Sprach-, Sprech- bzw. Schluckstörungen und einen "professionellen" Umgang mit den Störungen zu informieren. Da die Sprache hauptsächliches Kommunikationsmittel ist bzw. Schluckstörungen existentielle Grundfunktionen betreffen, werden diese Störungen von Patienten und ihren Angehörigen meist als besonders einschneidend erlebt.


Zur standardisierten Diagnostik und zur klinischen Diagnostik stehen folgende Diagnostikverfahren zur Verfügung:
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Aachener Aphasie-Test (AAT)
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Boston Naming Test (BNT)
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Bogenhausener Semantik - Untersuchung (BOSU)
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Lexikon modellorientiert (LEMO)
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Frenchay-Dysarthrie-Test zur Diagnostik von Dysarthrien
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RWT (Regensburger-Wortflüssgikeitstest)
Differenzierungsdiagnostik zur Wortfindung
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Materialien zur Untersuchung von Fazialisparesen
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Materialien zur Untersuchung von Dysphagien
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Materialien zur Untersuchung von Sensibilitätseinschränkungen
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Materialien zur Untersuchung von Dysarthrien
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EKN (Entwicklungsgruppe Klinische Neuropsychologie) Screening zu Textverständnis
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(apparative) Lautstärken- und Stimmumfangmessung
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Spirometer
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HWL (Hierarchische Wortlisten) zur Sprechapraxiediagnostik

Zur Durchführung von Therapien stehen vielfältige Therapiematerialien zur Verfügung, wie z.B.:
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Diverse Bildmaterialien zum Benennen von alltagsrelevanten Gegenständen
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Diverse Bildgeschichten und Situationsbilder zum Benennen von alltagsrelevanten Handlungen und Handlungsfolgen
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Neurolinguistisches Therapiematerial (NAT) zur Behandlung phonematischer, lexikal-semantischer, Bild-semantischer, Bild-phonematischer und grammatikalischer Störungen
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Neurolinguistische Therapiematerialien zur Textverarbeitung
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Fawcus et all: Aphasie-Therapie in der Praxis zur Behandlung
des Sprachverständnisses und des Lesens
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Engl / Kotten: Sprachübungen zur Aphasiebehandlung
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Martens: übungstexte zur deutschen Aussprache
(Material für Dysarthrie und Sprechapraxie)
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Verschiedene Materialien zur Intonation und zum Singen
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Material zur Therapie der Dysgraphie
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Modalitätenaktivierung in der Aphasietherapie (MODAK)

Es stehen folgende Verfahren zur Verfügung:
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Memo-Gym I und II
Etablierung und Vergegenwärtigung lexikalischer Strukturen
(z.B. Ober- und Unterbegriffe) auf bild- und wortsemantischer Ebene; incl. Kognitionstraining
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AATP zur standardisierten Auswertung des Aachener Aphasie Tests (AAT)
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LeMo (computergestützte Auswertung)

Wir arbeiten nach oder in Anlehnung an folgende Methoden:
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FOTT (Facio-orale Trakt Therapie
nach Coombes
und
ORT (Orofaciale Regulationstherapie) nach Castillo - Morales
Nutzung manueller Techniken (Bewegung, Zug, Druck, Vibration) zur Verbesserung der Sensibilität und Muskelaktivität im Mund- und Gesichtsbereich
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PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
nach Rood
Aktivierung der Muskulatur unter Nutzung der Tiefensensibilität (Kälte, Dehnung, Widerstand) mit Ziel der aktiven Bewegungs-
übernahme
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Bobath
Inhibierung pathologischer Muskelaktivität zur Herstellung physiologischer Tonusverhältnisse
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Deblockierung nach Weigl
Reaktivierung betroffener sprachlicher Verarbeitungsmodalitäten über andere, besser erhaltene sprachliche Funktionen (Mitsprechen, Benennen, Lesen, Schreiben, ...)
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MODAK (Modalitätenaktivierung) nach Lutz
Nutzung vorhandener sprachlicher Restfähigkeiten
(u.a. Benennen, Schriftsprache) zur Deblockierung betroffener Modalitäten unter Einbeziehung hemmender Prozesse
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PACE (Promoting Aphasics' Communicative Effectiveness) nach Davis & Wilcox
Ein an kommunikativ - pragmatischen Regularitäten orientierter Einsatz alternativer Kommunikationsmittel (Gestik, Zeichnen, ...)
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SRA (Sprachliche Reaktivierung nach Aphasie) nach Bindel
mündlich und bildlich dargebotenes linguistisch strukturiertes Material zur Reaktivierung des Sprachverständnisses und der Wortfindung
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NAT (Neurolinguistische Aphasie Therapie)
(Neubert, Rüffer, Zeh - Hau)
linguistisch strukturiertes Material zur Reaktivierung des Sprachverständnisses und der Wortfindung, incl. grammatischer und phonematischer Fähigkeiten
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MIT (Melodic Intonation Therapy) nach Sparks
Anbahnung prosodischer Strukturen über rhythmische - melodische Stimulierung (Klopfen, Summen) unter Ausnutzung der Leistungen der nicht sprachdominanten Hemisphäre
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Restituierende Schlucktherapie und
Funktionelle Schlucktherapie nach Bartolome
überwiegend kompensatorische Maßnahmen (Haltungsänderung, Schlucktechniken)
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LSVT (Lee Silverman Voice Treatment) nach Ramig,
Pawlas & Countryman
Stimmtherapie mit Fokus auf Lautstärkesteigerung
v.a. bei M. Parkinson
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Kauen und Summen/ Sprechen nach Fröschels
basierend auf der funktionellen Verwandtschaft zwischen Kauen und Sprechen zur Umwandlung fehlerhafter Artikulation und Unterstützung der Resonanzräume
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Atem-, Stimm- und Artikulationsübungen
sowie atemrhythmisch angepasste Phonation
nach Coblenzer & Muhar
Stimmtherapie zur Erarbeitung der Atemmittellage und rhythmische Gliederung der Phonation bei korrekter Artikulation
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Therapie funktioneller Stimmstörungen
nach Brügge & Mohs
Übungen zur Schulung der Selbstwahrnehmung, Tonusregulierung, Haltungsaufbau, Atmung, Phonation u. Artikulation
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Funktionale Stimmtherapie nach Kruse
Phonation mit gezielten Bewegungen zur Tonisierung der
Mm. vocalis, Verbesserung des Glottisschlusses und Stimm-
kräftigung
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Personale Stimmtherapie nach Stengel & Strauch
anatomische und physiologische Zusammenhänge aus
funktionaler und
personaler Sicht
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Stimmtherapeutisches Programm
nach Dr. Hermann - Röttgen
Basisübungen für die Stimme mit gezielten Lautgruppen
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Atemwahrnehmung und Atemraumerweiterung
nach Middendorf
Atemübungen mit Anleitung zur Förderung gezielter Resonanzräume
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Therapie mit Dysarthrikern nach Robertson & Thomson
Übungssammlung v.a. zu Phonation, Prosodie, Artikulation
und Sprechtempo
Nach Abschluss der Therapie erfolgt eine zusammenfassende Einschätzung der logopädischen Schädigungen, und der Beeinträchtigungen im Bereich der Aktivitäten und der Partizipation (Sprach- und /oder Schluckstörungen sowie deren Auswirkungen im Alltag).
Hierbei werden auch erhaltene bzw. wiedergewonnene Fähigkeiten dargestellt und bewertet.
Soweit sinnvoll möglich, werden (den Betroffenen) noch Anleitungen zur eigenständigen Durchführung von übungen, Adressen von Sprachtherapeuten und Selbsthilfegruppen in der Nähe oder im Heimatort mitgegeben.
Kausale Zusammenhänge zwischen dem pathologischen Geschehen und dem logopädischen Befund/Verlauf können abschließende Aussagen zur Prognose und zu weiteren Behandlungsempfehlungen ermöglichen.